Einige Gedanken:
Feierlich! ein würdiger Anfang! afrikanisch feierlich! eines Löwen würdig oder eines moralischen Brüllaffen... – aber nichts für euch, ihr allerliebsten Freundinnen, zu deren Füßen mir, einem Europäer unter Palmen, zu sitzen vergönnt ist.
Wunderbar wahrlich! Da sitze ich nun, der Wüste nahe und bereits so ferne wieder der Wüste, auch in nichts noch verwüstet: nämlich hinabgeschluckt von dieser kleinen Oasis – sie sperrte gerade gähnend ihr liebliches Maul auf, das wohlriechendste aller Mäulchen: da fiel ich hinein, hinab, hindurch – unter euch, ihr allerliebsten Freundinnen!
Diese schönste Luft atmend, mit Nüstern geschwellt gleich Bechern, ohne Zukunft, ohne Erinnerungen, so sitze ich hier, ihr allerliebsten Freundinnen, und sehe der Palme zu, wie sie, einer Tänzerin gleich, sich biegt, und schmiegt und in der Hüfte wiegt – man tut es mit, sieht man lange zu... einer Tänzerin gleich, die, wie mir scheinen will, zu lange schon, gefährlich lange immer, immer nur auf einem Beinchen stand? – da vergaß sie darob, wie mir scheinen will, das andre Beinchen?
Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954
Die Wüste kann man nicht mit Worten beschreiben. Man muss sie leben. Wie also die passenden Worte für die unbezwingliche Liebe des Nomaden zu seiner Wüste finden? Für Menschen, die nicht in ihr gelebt haben, erscheint sie wie ein großer leerer Raum, während sie für uns unendlich lebendig ist. Wie diese Liebe erklären, die wir unserer so ausgedörrten und schwierigen Umwelt entgegenbringen? ...
...Was kann ein Mensch sich noch wünschen, wenn er das Privileg hat, jeden Abend unter einem schützenden Himmel einzuschlafen, unter einem Himmel, der von Millionen Sternen Übersät ist, die leuchten, um seine Träume zu erhellen? ...
Auszug aus Mano Dayak
(1950 – 1995)
Führer der Tuareg-Rebellion im Niger






